Jüdischer Kiez und jüdische Geschichte in Berlin

Rund um das Scheunenviertel

In vielfältiger Weise hat das Judentum die Stadt Berlin im Verlauf der Jahrhunderte geprägt und umgekehrt. Dies zeigt sich besonders im Scheunenviertel, einem der ältesten Stadtgebiete.

Das Viertel lag ursprünglich außerhalb der Stadtmauern, wo man ab 1672 aus brandschutztechnischen Überlegungen die Scheunen angesiedelt hatte.

Nur einen Katzensprung von unserem Hotel entfernt, erstreckt sich das Gebiet von der Oranienburger Straße im Westen bis zur Karl-Liebknecht-Straße im Osten, von der Torstraße im Norden und zur Dircksenstraße im Süden. Hier treffen Sie auf vielerlei Zeugnisse der jüdischen Vergangenheit, aber auch der jüdischen Gegenwart. Denn Berlin ist seit vielen Jahren wieder Standort einer lebendigen und der sogar weltweit am stärksten wachsenden Gemeinde.

Auf den Spuren jüdischen Lebens und Leidens

Etwa ab 1880, setzte eine Massenmigration der Juden aus Osteuropa ein. Die jüdische Bevölkerung war im Russischen Reich, vor allem Galizien, zunehmender Gewalt in Form von Pogromen sowie Repressalien in allen Lebensbereichen ausgesetzt. Fast drei Millionen Menschen machten sich auf den Weg in ein neues Leben, der viele von ihnen ins Berliner Scheunenviertel führte.

Inhaltsverzeichnis – Jüdische Gedenkstätten im Scheunenviertel

Die Neue Synagoge

Die bisherige Synagoge, die später die Alte Synagoge genannt wurde, konnte der im 19. Jahrhundert stark wachsenen jüdischen Gemeinde keinen ausreichenden Platz mehr bieten.

Das neue im maurischen Stil erbaute Gotteshauses in der Oranienburger Straße nahm nun bis zu 3.000 Gläubige auf.

Bei ihrer Einweihung 1866 galt die Neue Synagoge bereits als eine der schönsten Synagogen auf der ganzen Welt. Auch heute zieht das prächtige Gebäude mit der schimmernden Kuppel viele Berlin-Reisende in die Oranienburger Straße.

Hier spielte Albert Einstein Violine, wirkte der als Redner berühmte Rabbiner Melwin Warschauer und begeisterte der bekannteste Vertreter jüdischer Liturgie, Louis (Lazarus) Lewandowski.

Die Neue Synagoge war Ausdruck des wachsenden Selbstbewusstseins und wurde zum Lebenszentrum der jüdischen Gemeinde in Berlin.

Während der Novemberpogrome brennen in der Nacht vom 09. auf den 10. November 20 Synagogen und Bethäuser. Am Morgen standen nur noch die Alte und die Neue Synagoge – die Alte war durch Hofmauern geschützt, die Neue durch den Mut eines Einzelnen. Unter Berufung auf den Denkmalschutz hielt der Polizeibeamte Wilhelm Krützfeld die Feuerwehr an, zu löschen, was die SA in Brand gesteckt hatte. Eine Gedenktafel erinnert heute an dieses außerordentliche Beispiel von Zivilcourage.

Polizisten schützen auch heute das Gebäude, das nicht als geweihte Synagoge, aber als Erinnerungsort, Lernstätte und Versammlungsplatz erneut eine zentrale Stellung im jüdischen Leben eingenommen hat.

Nach seiner fast vollständigen Zerstörung im Laufe des Zweiten Weltkrieges, baute die 1988 eigens für diesen Anlass gegründete Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum das Gotteshaus wieder auf.

Sie rekonstruierte Fassade und Kuppel, während im Inneren nur noch in den Boden eingelassene Steine die ursprüngliche Synagoge nachzeichnen.

Von deren Geschichte und dem einst bunten jüdischen Leben in der Hauptstadt erzählt die Dauerausstellung „Tuet auf die Pforten“ (nach Jesaja 26,2).

Bitte beachten Sie jedoch, dass der Museumsbereich umgebaut wird und die Neue Synagoge daher vollständig bis zum Sommer 2018 geschlossen bleibt.

Adresse
Oranienburger Straße 28/30, 10117 Berlin

Vom Hotel Albrechtshof 4 Minuten zu Fuß über die Tucholskystraße

Öffnungszeiten
Sonntag–Freitag täglich ab 10 Uhr geöffnet
Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließung

Samstags (Schabbat) geschlossen.

Januar–März
Mo–Do: 10:00–18:00 Uhr
Fr: 10:00–15:00 Uhr
So: 10:00–18:00 Uhr

April–September
Mo–Do: 10:00–18:00 Uhr
Fr: 10:00–18:00 Uhr
So: 10:00–19:00 Uhr

Oktober–Dezember
Mo–Do: 10:00–18:00 Uhr
Fr: 10:00–15:00 Uhr
So: 10:00–18:00 Uhr

Die Kuppel ist nur von April bis September zu besichtigen.

Der Alte Jüdische Friedhof

Fast fällt der Friedhof in der Großen Hamburger Straße neben der jüdischen Schule gar nicht auf: Das Moses-Mendelssohn-Gymnasium ist eindrucksvoll gesichert mit Polizeischutz, Kameras und meterhohen Zäunen. Doch direkt nebenan liegt der älteste der vier jüdischen Friedhöfe in Berlin.

Jüdische Friedhöfe sind nicht Orte des Todes, sondern des ewigen Lebens. Gräber werden daher niemals aufgelöst.

Wer also das ewige Ruherecht der rund 2.800 hier Beigesetzten respektiert, betritt die parkähnliche Anlage nur mit Kopfbedeckung und findet einen Ort der Ruhe und des Gedenkens.

Ursprünglich außerhalb der Stadtmauern gelegen, wurden in diesem Friedhof von 1672 bis 1827 die Toten beigesetzt, bevor die Begräbnisstätte auf Grundlage der preußischen Hygieneverordnung geschlossen wurde.

Die Verordnung verbot das Betreiben von Friedhöfen als Begräbnisstätten in Wohngebieten innerhalb der Stadtmauern. 1827 eröffnet die Gemeinde deshalb einen neuen Friedhof in der Schönhauser Allee.

Im Alten Friedhof fanden viele namhafte Mitglieder der wachsenden jüdischen Gemeinde ihre letzte Ruhestätte. Der wohl prominenteste unter ihnen der Philosoph Moses Mendelssohn.

Sein Grabmal existiert heute jedoch nur noch als symbolische Replik. 1943 ließ die Gestapo den Alten Jüdischen Friedhof verwüsten. Ihre Handlanger schändeten die Gräber und durchzogen das Areal mit Splittergräben.

Im Kampf um Berlin wurde der Friedhof 1945 zur Massengrabstätte für zivile und militärische Kriegsopfer.

Das neben dem Friedhof gelegene jüdische Altersheim bestimmten die Nationalsozialisten 1942 zum Sammellager für Berliner Juden, die von dort aus in den Tod geschickt wurden.

Im Krieg zerstört, erinnert heute an dessen Stelle eine Bronzeskulptur „Jüdische Opfer des Faschismus“, eine eindringliche Figurengruppe des Bildhauers Wilhelm Lammert an die unsäglichen Gräueltaten der NS-Zeit.

Der größte erhaltene und noch aktiv genutzte jüdische Friedhof Europas ist übrigens der Begräbnisplatz in Weißensee. Dieser Friedhof besteht seit 1880 und erzählt zwischen efeuberankten Grabsteinen, prächtigen Mausoleen und im Schatten der Bäume viele Geschichten von Blüte und Fall des Berliner Judentums.

Adresse 
Große Hamburger Str. 26, 10117 Berlin

Route
9 Minuten Fußweg über Auguststraße und Große Hamburger Straße

Öffnungszeiten
Sommer: 01.04.–30.09.

Mo–Do: 7:30–17:00 Uhr
Fr: 7:30–14:30 Uhr
So: 8:00–17:00 Uhr

Winter: 01.10. –31.03.

Mo–Do: 7:30–16:00 Uhr
Fr: 7:30–14:30 Uhr
So: 8:00–16:00 Uhr

Schabbat (Samstag) und Feiertag geschlossen

Die Ehemalige jüdische Mädchenschule

Der nach den Plänen des Architekten Max Beers errichtete Klinkerbau in der Auguststraße war der vierte Standort der ersten jüdischen Mädchenschule in Berlin. Lediglich zwölf Jahre war sie in Betrieb.

Nachdem das nationalsozialistische Regime in den 1930er Jahren Juden von deutschen Unterrichtsanstalten ausgeschlossen und zur Eröffnung eigener Einrichtungen gezwungen hatte, wurde 1942 über die deutschlandweite Schließung aller jüdischen (Hoch-)Schulen verfügt.

Die 14 Klassenräume leerten sich, die meisten Schülerinnen und Lehrkräfte kamen in den Lagern um. Auch der Architekt Max Beer wurde in einem Konzentrationslager ermordet.

Das Gebäude diente im Krieg als Militärkrankenhaus. 1950 wurde es als Bertolt-Brecht-Schule wiedereröffnet, nach deren Schließung 1996 aber dem Verfall preisgegeben.

Hannah Arendt war es, die dem Schulgebäude neues Leben einhauchen konnte. Für die Ausstellung zu ihrem 100. Geburtstag richtete man 2006 die zum Teil wunderschön gefliesten, hellen Räumlichkeiten wieder her und legte damit bereits die Weichen für deren heutigen Gebrauch.

Mit Unterstützung der „Jewish Claims Conference“, die für die Rückgabe von Besitz an die Opfer des Holocaust kämpft, erhielt die jüdische Gemeinde drei Jahre später das Gebäude zurück – und führte es in eine strahlende Zukunft. So gilt seit 2012 in der Auguststraße 11-13 das Motto: Kunst, Kennedy und Kulinarik!

In die luftigen Räume sind gleich drei der Kunst gewidmete Einrichtungen eingezogen und fügen sich damit bestens in das Galerienviertel um die Auguststraße ein:

In der ehemaligen Aula sowie in zwei Klassenzimmern im 3. Stock stellt die Michael Fuchs Galerie zeitgenössische Kunst wie Werke der klassischen Moderne aus.In den Klassenräumen des ersten Stockwerks zeigt die CWC Gallery moderne Fotografie, Malerei und Skulpturen.

Und seit Herbst 2016 ist mit dem „Salon Berlin“ die dritte künstlerische Instanz im Gebäude vertreten. Dahinter steht das Privatmuseum Frieder-Burda aus Baden-Baden, das mit dem Ausstellungsraum den Anspruch verbindet, ein Forum für internationale Gegenwartskunst zu etablieren.

Im Obergeschoss der Jüdischen Mädchenschule wiederum widmet sich das Museum The Kennedys der bewegenden Familiengeschichte des amerikanischen ehemaligen Präsidenten John F. Kennedy. „Ich bin ein Berliner!“ – kein anderer amerikanischer Politiker hat sich so in die Herzen der Hauptstädter geredet wie er. Die weltweit umfangreichste Sammlung zur Geschichte der Präsidentenfamilie ergänzen wechselnde Sonderausstellungen zu verwandten Themen und Persönlichkeiten.

In der früheren Turnhalle serviert das Restaurant Pauly Saal im Stil der goldenen 1920er Jahre saisonale Feinkost – im Sommer auch im idyllischen Innenhof der ehemaligen Schule.

Ein kulinarisches Erlebnis à la (jüdisches) New York ermöglicht das Mogg. Das stylische Deli serviert neben Streetfood-Klassikern wie dem Pastrami-Sandwich feine Gaumenfreuden von Suppe mit Matzeknödeln bis New York Cheesecake.

Adresse
Auguststraße 11-13, 10117 Berlin

Route
2 Minuten Fußweg über die Auguststraße

Das Museum der Otto Weidt Blindenwerkstatt

In einem Hintereingang am Hackeschen Markt finden Sie das Museum der Otto Weidt Blindenwerkstadt.

Hier unterhielt in den 1940er Jahren der Besen- und Bürstenfabrikanten Otto Weidt seine Werkstatt.

Mit seiner anarchistischen Einstellung schwamm Otto Weidt seit seiner Jugend im Kaiserreich gegen den politischen Strom. Das sollte auch nach dem Regimewechsel in den 1930er Jahren so bleiben. Selbst erblindend, verschloss der Unternehmer nicht die Augen vor den Gräueln des Dritten Reiches.

Seine Rolle als Arbeitgeber in einem als „wehrwichtig“ kategorisierten Betrieb nutzte er unermüdlich, um seine bis zu 30 überwiegend gehörlosen und blinden jüdischen Angestellten vor der Deportation in die Konzentrationslager zu schützen.

Die Freilassung mehrerer Arbeiter, die man bereits in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße verfrachtet hatte, erwirkte er in letzter Minute. Dem Mädchen Alice Licht versuchte er zur Flucht aus dem Lager Christianstadt zu verhelfen.

Die schlichten Räumlichkeiten der ehemaligen Werkstatt spiegeln noch heute die beispielhafte Courage eines Mannes, der die Gestapo bestach, Papiere fälschen ließ, Verfolgten ein Versteck bot – unter eigener Lebensgefahr viele Leben rettete.

Otto Weidts ehemaliger Sekretärin Inge Deutschkron und ihrer Erinnerungsarbeit an ihren Retter ist es maßgeblich zu verdanken, dass das Museum der Otto Weidt Blindenwerkstatt heute existiert.

Als Journalistin berichtete sie aus Bonn für israelische Tageszeitungen, bevor sie aus Entrüstung über die politisch erfolgreichen Karrieren alter Nazis in der jungen Bundesrepublik nach Tel Aviv emigrierte.

Nach seinem Tod erhielt Otto Weidt den Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ von Israels offizieller Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust, Yad Vashem.

Quasi neben diesem Museum ermöglicht das Anne Frank Zentrum weitere Einblicke in die jüdische Geschichte am Beispiel des jungen Mädchens. Hier befand sich auch die Gedenkstätte Stille Helden, die im Februar 2018 ihren neuen Standort in der Stauffenbergstraße 13-14 eröffnet.

Adresse
Rosenthaler Str. 39, 10178 Berlin

Route
12 Minuten Fußweg über Auguststraße und Sophienstraße

Öffnungszeiten
Täglich geöffnet von 10:00–20:00 Uhr

Exkurs: Das Jüdische Museum Berlin

Wer an der Geschichte des Judentums interessiert ist, sollte unbedingt einen Besuch im Jüdischen Museum Berlin einplanen. Das größte Museums seiner Art in Europa liegt etwas außerhalb des jüdischen Kiezes im Berliner Stadtteil Kreuzberg.

Rund 2.000 Besucher suchen das Museum täglich auf. Die Museumsanlage umfasst einen barocken Altbau, ehemals Standort des Berlin Museums, der seit 1999 vom herausragenden, metallischen Zickzack-Bau des polnisch-jüdischen Star-Architekten Daniel Libeskind ergänzt wird.

Im Museum tauchen Sie entlang dreier Achsen in 2.000 Jahre jüdischer Geschichte: der Achse der Kontinuität, der Achse des Exils und der Achse des Holocaust. Sie symbolisieren die unterschiedlichen jüdischen Biografie-Stränge in der Zeit des Nationalsozialismus.

Der schief angelegte Garten des Exils, zu dem die gleichnamige Achse führt, bringt das Ausgestoßen-Sein der jüdischen Migranten zum Ausdruck.

Der Endpunkt der Achse des Holocausts ist der Holocaustturm, ein Betonschacht, durch den nur an einer Stelle ein wenig Tageslicht einfällt. Das Gefühl von Beklemmung und Gefangensein ist fast körperlich spürbar.

Erleben Sie anhand der sogenannten „Voids“, vollkommen leerer, vertikaler Räume im Museumsbau, die Leerstellen, die jahrhundertelange Vertreibungen und Völkermord in der jüdischen Geschichte hinterlassen haben.

Wechselnde Sonderausstellungen ergänzen den Besuch im Jüdischen Museum. Noch bis 19. April 2019 lädt „Welcome to Jerusalem“ in das multikulturelle und umkämpfte Glaubenszentrum ein. Die Themenausstellung zeigt unter anderem Sammlungsstücke, die erstmalig in Berlin zu sehen sind. Bis Sommer 2019 belebt zudem die Licht- und Klanginstallation res·o·nant zwei der „Voids“ des Museums.

Samstags und sonntags finden im Museum öffentliche Führungen statt. 

Noch bis voraussichtlich 2019 wird der obere Bereich der Sammlung, die Achse der Kontinuität, umgebaut und bleibt daher für Besucher verschlossen.

Diese können sich auf eine erweiterte Dauerausstellung mit zusätzlichen digitalen Angeboten sowie ein Kindermuseum freuen, die ab 2019 fertiggestellt sein sollen.

Der überwiegende Teil des Museums ist jedoch weiterhin für Sie zugänglich:

Die Tickets für das Jüdische Museum können Sie schon vorab online buchen. Spätester Einlass ist 19 Uhr, eine Stunde vor Schließung der Ausstellungen.

Adresse: Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin

Route: 21 Minuten mit der U6 von Oranienburger Tor bis Hallesches Tor

Öffnungszeiten:

Täglich von 10:00–20:00 Uhr
Am 10., 11. & 19. September 2018 geschlossen (Rosch ha Schana & Jom Kippur)
Am 24. Dezember 2018 geschlossen

Ich bin für Sie da:

Concierge im Albrechtshof Hotel in Berlin

Franziska Varga
Concierge

Organisation von Theater-, Konzert-,
Museumskarten sowie
Eintrittskarten für Schiffsrundfahrten
T +49 30 30886-126
F +49 30 30886-100
reception(at)albrechtshof-hotels(dot)de

Bewertungen

Für Fragen oder telefonische Buchungen:

Telefon +49 30 30886-0

Hotel Augustinenhof